Fachkonferenz Asyl - Migration - Integration

Asyl - Migration - Integration

Brief an die Bundeskanzlerin

Eine Gruppe syrisch-kurdischer Flüchtlinge aus dem Dekanat Maifeld-Untermosel haben mit Unterstützung des Dekanates am 14. März, dem Tag ihrer Wiederwahl,  einen Brief an die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, geschrieben und sie um Hilfe gebeten. Die Gruppe beschreibt ihre große Dankbarkeit gegenüber der Kanzlerin dafür, dass Deutschland so viele Kriegsflüchtlinge aufgenommen hat. In diese Dankbarkeit mischt sich nun große Bitterkeit aufgrund des Einmarsches der türkischen Armee in Afrin, wo sie viele Verwandte nun unter Bombenbeschuss wissen. Im Brief an die Bundeskanzlerin bitten die syrisch-kurdischen Flüchtlinge um konkrete Hilfen für Lebensmittel und Medikamente für Afrin. Sie bitten darum, keine Waffen mehr in die Region zu genehmigen und weiter Kriegsflüchtlinge aufzunehmen.

 „Wir sind so dankbar, dass wir hier in Deutschland sicher vor Krieg und Verfolgung leben können.

Wir sind so hilflos und ratlos. Es ist so bitter, dass deutsche Panzer und Waffen vor Ort in Afrin sind …,“ schreibt die Gruppe.

 „Wir haben zusammen gesessen und überlegt, was überhaupt in Afrin passiert. Familienangehörige und Freunde stehen unter Beschuss, die Sorge um Großeltern ist groß. Und dann sieht man im Fernsehen auch noch deutsche Panzer,“ zeigt sich Pastoralreferent Werner Huffer-Kilian erschüttert. „In die große Dankbarkeit für Deutschland als Zufluchtsort wird nun große Bitterkeit gegossen, weil deutsche Panzer unter türkischer Flagge Afrin zerstören. Die Rüstungsexporte müssen aufhören,“ zeigt er sich entschlossen.

Das Dekanat Maifeld-Untermosel unterstützt mittels seiner Fachkonferenz Asyl-Migration-Integration seit deren Gründung 2010 Flüchtlinge, die hier ankommen. Seit dieser Zeit sind über 600 Flüchtlinge mit intensiver Hilfe von über 300 Ehrenamtlichen über die Jahre begleitet worden. Begleitung – nicht Betreuung – ist das Ziel dieser Arbeit, weil Hilfe zur Selbsthilfe gegeben wird.

 

 

kfd-Diözesanverband Trier ist besorgt über den Einmarsch der Türkei in Nordsyrien - Ausstellung „Hoffnung auf Zukunft - Frauen im Krieg“ im Herz-Jesu-Haus Kühr

 

Seit Januar 2016 unterstützt die kfd im Dekanat Maifeld-Untermosel das Projekt „Rojava“ des Diözesanverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Trier. Konkret geht es hier um Frauen- und Gesundheitsprojekte einer Stiftung in Nordsyrien und die Gesundheitsvorsorge, sowie medizinische Hilfe in Flüchtlingscamps.  Die kfd informiert über die weiteren Aufbaubemühungen und Erfolge der Stiftung und hält regelmäßig Kontakt zu der Projektbeauftragten. Der Frauenverband sieht die gute Friedens- und Aufbauarbeit, die von der Projektpartnerin „WJAR“ in Nordsyrien geleistet wurde, gefährdet und fürchtet um das Leben der Stiftungsfrauen.

Anfang Februar übermittelte die Stiftung der Freien Frau in Rojava (WJAR) eine Erklärung zur aktuellen Lage in Nordsyrien und Informationen über die Angriffe auf Afrin. Die mitgelieferten, erschreckenden Kriegsbilder werden von der kfd nicht weiterverbreitet. In den Unterlagen wird dokumentiert, wie Afrin von der Türkei angegriffen wurde, wie Zivilisten, unter ihnen viele Kinder, von den Bombenangriffen verletzt worden sind. Bei den Angriffen auf das Dorf Şex Xûrzê in der Nähe von Bilbil wurden, nach Aussage der WJAR, Chemiewaffen eingesetzt. „Auch wenn die Vielfalt und das System des demokratischen Konförderalismus angegriffen werden soll, geht es Erdogan auch um die Vernichtung der Kurden“, so Meike Nack, ehrenamtliche Projektreferentin von WJAR in Deutschland. „Es sind aussagekräftige und starke Initiativen der Solidarität und auch gegen diesen Krieg nötig“, fordert Nack.

Erklärung der Stiftung der Freien Frau in Rojava (WJAR): „Als Mitglieder der „Stiftung der Freien Frau“ verstehen wir unsere Aufgabe, Frauen und Kindern zu schützen und Lösungen für die gesellschaftlichen Probleme zu finden. Wie Sie mitbekommen, finden seit einigen Wochen Angriffe der Türkei auf uns mit verschiedenen Waffen statt, darunter auch solche die im Rahmen der Genfer Protokolle verboten wurden. Tag und Nacht werden wir von schweren Geschützen und Fliegern bombardiert. In diesen schwierigen Zeit in denen wir uns befinden, kreisen die Kriegsflieger über unseren Köpfen und nichts Lebendige kann ihnen entkommen. Bisher sind zahlreiche Kinder, Frauen, Alte zu Opfern dieser Angriffe geworden. Eine von ihnen war Zekiye. Sie war erst 15 Jahre alt als sie ihr Leben verlor. Mädchen im jungen Alter leiden stark psychologisch unter diesen Angriffen. Zahlreiche Kinder haben Gelbfieber bekommen. Aufgrund der gefährlichen Situation ist der Bildungsbetrieb von Schulen, Kindergärten und auch Universitäten gestoppt. Dies wirkt sich extrem negativ auf die Kinder aus. Aus diesem Grund rufen wir als „Stiftung der Freien Frau in Rojava“ des Bereichs Afrin alle Menschenrechtsorganisationen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Unicef und die Öffentlichkeit dazu auf, gegenüber diesen Angriffen, die sich gegen Kinder und Frauen richten und die zu Opfern der Barbarei des türkischen Staates geworden sind, nicht zu schweigen. Am 31.01.2018 gab es 170 Verletzte, 68 getötete Zivilisten, davon 27 Kinder und 29 Frauen.“

Auch die Fachkonferenz Asyl-Migration-Integration des Dekanates Maifeld-Untermosel schließt sich entschieden dem Aufruf zur Verurteilung dieser Angriffe an und ruft zu Spenden für Medikamente für Afrin auf und sammelt Unterschriften für die Aktion „Kein Panzer-Deal mit der Türkei“ von medico international.Im Rahmen eines Impulstages ist für die Teilnehmerinnen am 15. März im Herz-Jesu-Haus Kühr die Ausstellung „Hoffnung auf Zukunft - Frauen im Krieg“  zum kfd Spendenprojekt Rojava aufgebaut. 

V.i.S.d.P.: Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Sichelstr. 36, 54290 Trier Telefon 0651-9948690, E-Mail: info(at)kfd-trier.deinfo(at)kfd-trier.deinfo(at)kfd-trier.de

  • Weitere Aushöhlung des Grundrechts auf Asyl und Schutz

    „Starthilfe Plus“ nennt sich das neue Programm der Bundesregierung, und das klingt auf den ersten Blick wie Hilfe und erweist sich bei genauerem Hinsehen als weitere Aushöhlung des Menschenrechtsschutzes. Das Diakonische Werk spricht von der sogenannten „Hau ab-Prämie“.
    Seit 1. Februar ist das Programm „Starthilfe Plus“ gestartet und es soll finanzielle Anreize für die sogenannte „freiwillige Rückkehr“ oder besser „Abschiebung ohne Polizeigewalt“ schaffen: Wenn jemand aus gewissen Herkunftsstaaten auf die Prüfung seines Asylantrages verzichtet, wird er finanziell belohnt – ausgenommen die Westbalkanstaaten. So könnten Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Terror aus Syrien, Afghanistan Iran usw. fliehen, zur Rückkehr dorthin gedrängt werden.
    In ihrem Memorandum vom August 2016 stellten die Wohlfahrtsverbände zusammen mit amnesty international, pro asyl, dem Jesuit Refugee service und anderen fest, dass im Asylverfahren viele Mängel weiterhin bestehen. Doch anstelle fairer und verbesserter Verfahren setzt die Bundesregierung darauf, mit finanziellen Anreizen Flüchtlinge zum Verzicht auf ihr Grundrecht zu bewegen.
    Wer vor Abschluss seines Asylverfahrens erklärt, seinen Antrag zurückzunehmen und Deutschland wieder zu verlassen, erhält 1200.- €uro. Wer nach Ablehnung seines Antrages auf Rechtsmittel verzichtet und innerhalb einer Frist ausreist, erhält 800.- €uro. Anstatt die dokumentierten massiven Qualitätsmängel beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu beheben und die Überlastung der Gerichte zu vermeiden, wird versucht, mit Einmalzahlungen die Betroffenen von der Ausübung ihrer Rechte abzubringen.
    „Starthilfe Plus ist ein Köder für Schutzsuchende, der den Menschen einen Neustart im Herkunftsland vorspielt, obwohl sich am Krieg in Syrien oder Afghanistan nichts geändert hat,“ meint Werner Huffer-Kilian, Leiter der Fachkonferenz Asyl des Dekanates Maifeld-Untermosel, „das ist unseres Rechtsstaates unwürdig und ist ein unfaires Angebot, sein Menschenrecht zu verkaufen.“ (Werner Huffer-Kilian, Pastoralreferent)

  • 3. Tag des Flüchtlings berührte viele Besucher

    Musik verbindet Nationen

    Plaidt. Der dritte Tag des Flüchtlings in der Hummerichhalle in Plaidt erweckt den Eindruck, dass das Miteinander der Kulturen und die Offenheit gegenüber anderen Nationen mittlerweile im Alltag angekommen sind. Ehrenamtliche, Neubürger verschiedener Nationen, sowie Einheimische aus der Pellenz sitzen dicht an dicht nebeneinander auf ihren Stühlen und feiern begeistert die Vorführung der jugendlichen Hip Hop Dancer „Multikulitboys“ aus Mayen, sowie die bekannte Band „Strom und Wasser “, die gemeinsam mit geflüchteten Musikern aus dem Iran und Ghana mit politischen Texten und Comedy-Einlagen für Stimmung sorgen.
    „Wir wollen für ein Miteinander und eine bunte Gesellschaft werben“, erklärt Günter Leisch vom Organisationsteam der Gemeinschafts-Veranstaltung der Pellenzer Flüchtlingsinitiative „Fremde werden Freunde“, Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. und der Dekanate Andernach-Bassenheim, Maifeld-Untermosel, Mayen-Mendig und Remagen-Brohltal, sowie der VG Pellenz den 3. Tag des Flüchtlings im Rahmen der Interkulturellen Woche der christlichen Kirchen.

    Ein Plädoyer für Vielfalt, Offenheit und Menschlichkeit war auch der Tenor in den Begrüßungsansprachen von Ortsbürgermeister Wilhelm Anheier – auch im Namen von VG-Bürgermeister Klaus Bell, Sanasz Khoilar vom Bistum Trier und Rolf Schäfer, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Mayen-Koblenz.
    Über die entspannte und fröhliche Atmosphäre im Saal freuten sich die Moderatoren Annika Frank vom Dekanat Mayen-Mendig und Emad Girgis von der Caritas, die die zahlreichen Gäste in deutscher und arabischer Sprache begrüßten, insbesondere mit Blick auf die Ergebnisse der vergangenen Bundestagswahl. „Lasst uns mit dieser Veranstaltung kulturelle Brücken bauen“, betonten die Moderatoren, dass beide Seiten von einem funktionierenden Miteinander profitierten. Dass die geflüchteten Menschen etwas zu bieten haben, demonstrierten sie dem begeisterten Publikum an diesem Abend in einer Sprache die jeder versteht. Unter dem Motto „Musik verbindet“ warben die Band „Strom und Wasser & the Refugees mit kabarettistischen Einlagen und ihren Songs für Toleranz und Vielfalt. Neben einem Mix aus Rap, Jazz und Rock faszinierten die geflüchteten Gastmusiker aus dem Iran und Ghana mit internationalen Klängen aus ihren Heimatländern. Um den Geflüchteten eine Stimme zu geben hat Liedermacher Heinz Ratz rund 200 Flüchtlingslager besucht und dort viele Musiker-Talente entdeckt. „Aufeinanderzugehen baut Ängste ab und ermöglicht überhaupt erst, dass Vielfalt verbinden kann“, wünscht sich der Musiker, dass die Menschen nicht verhärten und Bitterkeit und Hass aufkommen lassen. Dass Europa im Rahmen der Menschenrechte weltweit in Kriegen unterwegs ist, aber das „Flüchtlingsproblem vor Ort nicht in den Griff bekommt“, ist für Ratz kaum nachvollziehbar.

  • Glaube und Gewalt - Glaube und Gewaltlosigkeit

    Wer Gewalt rechtfertigt - Reihe zum Christlich-Islamischen Dialog im Dekanat fortgeführt

    Das Dekanat Maifeld-Untermosel konnte mit Hagen Berndt einen anerkannten Experten in Fragen der Konfliktbearbeitung zum Thema „Glaube und Gewalt, Glaube und Gewaltlosigkeit“ am Mittwoch, 28. Juni im Pfarrheim St. Lubentius in Kobern begrüßen. Die aktuellen Terroranschläge und viele Fragen rund um die Themen Religion und Gewalt wollten die Zuhörer/innen zur Diskussion gestellt wissen.
    Der Referent, selbst Muslim, stellt zunächst die verschiedenen Blickwinkel vor, aus denen wir diese breite Thematik betrachten können, klärt seine  Begrifflichkeiten, geht auf den Umgang mit Gewalt in Christentum und Islam ein, nennt viele Personen und Beispiele überzeugten gewaltlosen Handelns in beiden Weltreligionen und lädt zur eigenen Stellungnahme ein.
    Die aktuellen Ereignisse zeigen uns oft auf, wie begrenzt unsere Wahrnehmung ist und dass die einfache Frage „Wer spricht mit welchem Ziel?“ oft zu weiterer Klärung der Interessenlagen führt. Hagen Berndt bringt dabei immer wieder seine eigene Perspektive mit ein, die durch die persönliche Begegnung mit Menschen mit gewaltfreier Grundhaltung geprägt sind. Insbesondere lebte er als Muslim auch mit Narayan Desai, dem Sohn des Sekretärs von Mahatma Gandhi eine Zeitlang in Indien.
    Wissenschaftlich stellt er der herrschenden „Sicherheitslogik“, von der wir so oft in den Medien und in der Politik hören, die „Friedenslogik“ einiger Friedensforschungsinstitute entgegen. Ferner weitet er unseren Begriff von Gewalt – wir meinen oft den Gebrauch direkter Gewalt – mit der Beschreibung der strukturellen Gewalt (nach J. Galtung), die Menschen durch ungerechte Strukturen (z.B. wirtschaftliche) beeinträchtigt, ohne klare Täter benennen zu können.
    Wichtig für die Diskussion in unserem Dekanat waren auch Begriffsklärungen islamischer Worte. So wurde Dschihad, der missbräuchlich von interessierter Seite als „Heiliger Krieg“ definiert wird, übersetzt als: „sich bemühen, ein gutes Leben zu führen“. Oder Scharia heißt eigentlich „Weg, Straße, die Menschen voran bringt“. Beide Worte erhalten damit eine Dynamik, um unser Leben gottgefällig und gerecht zu gestalten und richten den Blick nach vorn. Leider ist der aktuelle Gebrauch dieser Worte starr, mörderisch und kriegerisch und in die Vergangenheit gerichtet. Das trifft allerdings genau das Interesse derer, die die Religion für sich instrumentalisieren wollen (wie z.B. der IS). Und diese letztere Auffassung hat sich leider zu stark in unserer öffentlichen Meinung festgesetzt.
    Überhaupt wies der Referent immer wieder darauf hin, wie Religion mobilisieren, wie sie Zusammenhalt schaffen kann. Die Gefahr der Instrumentalisierung liegt damit auf der Hand, und die geschieht oft durch Traditionalisten und durch Mächtige, die ihre Interessen auch mit religiösen Themen rechtfertigen wollen. Der Rückgriff auf die heiligen Schriften erfolgt dabei oft unter Umgehung des sozialen Kontextes, in dem die Schriften entstanden sind.
    Kontrovers diskutiert wurde die These, dass dem Islam in Europa im Gegensatz zu z.B. in Saudi-Arabien die Aufgabe zufällt, sich zu erneuern. Hier in Europa existiert ein Freiraum, den es zu nutzen gilt. In vielen autokratisch und islamistisch regierten Ländern ist dies wegen der dortigen Herrschaftsverhältnisse nicht möglich und der Druck zur Konformität sehr hoch. Manche offene, liberale Muslime spüren dies auch hier und sind Morddrohungen ausgesetzt.
    Hagen Berndt verwies zum Schluss auf seine Erfahrungen in der kommunalen Konfliktbearbeitung und stellte fest: „Das gemeinsame Gespräch ist und bleibt schwierig, aber es führt kein Weg daran vorbei.“
    Werner Huffer-Kilian dankte dem Referenten und der Zuhörerschaft, verwies auf die eigenen christlichen Entwicklungen und Debatten um Gewalt und gewaltloses Handeln: „Wir setzen unsere Reihe im November vor. Denn das Ziel, im guten Miteinander im Gespräch zu sein, verfolgen wir weiter.“

    Weitere Informationen bei: Werner Huffer-Kilian, Pastoralreferent im Dekanat, Tel. 02605-96278-17 oder 0170-7938420